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Wer hat sich nicht schon über undurchschaubare Fahrkartenautomaten, die wirre Preisstruktur von Telekommunikationsanbietern oder kompliziert zu bedienende technische Geräte mit tausend unnötigen technischen Gimmicks aufgeregt? Über solche Dinge schütteln nicht nur die Kunden den Kopf, sondern auch Experten. Dieter Brandes warnt in seinem erfrischenden, mit viel gesundem Menschenverstand geschriebenen neuen Buch Firmen vor selbst erzeugter Komplexität. Denn Komplexität ist, so behauptet er, nicht einfach eine Begleiterscheinung unserer Zeit, sondern entsteht oft aus falschen Managementidealen und wenig Gespür für die Bedürfnisse des Endverbrauchers. Seine Botschaft: Genervte Kunden und gestresste Führungskräfte müssen nicht sein. Sein Tipp: klare Ziele setzen und zum Wesentlichen kommen. Auch mal verzichten und reduzieren statt dem Machbarkeitswahn zu erliegen. Höchstmögliche Einfachheit ist Brandes‘ Managementideal — von der Sprache über die Lösungen bis hin zum Geschäftsmodell. Auch seine anderen Empfehlungen leuchten ein, wenn sie auch nicht gerade neu sind: Delegation, Dezentralisation und Vertrauen (in Kombination mit Kontrolle).

Das Vorbild par excellence ist für Brandes der berühmte Discounter, dessen ehemaliger Geschäftsführer er ist: ALDI. Dort beschränkt man das Sortiment eisern auf 700 Artikel, eine aufwändige Budgetierung wie in anderen Firmen gibt es nicht. Das sei ohnehin Planwirtschaft, spottet Brandes. Die Zeit und Energie, die anderswo für solche Zahlenspielereien draufgehen, stecke man besser in den Kundenservice. Richtig machen es seiner Überzeugung nach Billiganbieter jeder Couleur, von IKEA über Ryanair bis hin zu Dell. Sie alle konzentrieren sich auf einen Bereich und beschränken sich darin auf das für den Kunden wichtige. Andere Beispiele bleiben rar. Verwirrt fragt man sich: Können denn nur Discounter das Ideal der Einfachheit verwirklichen?

Anscheinend nicht. Brandes polemisiert nicht nur, er hat auch den Anspruch, dem Leser konkrete Anleitungen für die Praxis zu geben. Das gelingt ihm über seine anschaulichen Beispiele im Hauptteil, nicht aber im angehängten Anleitungsteil. Dieser erweist sich schnell als überflüssig, da er den Inhalt des Buches einfach nur wiederholt, wenn auch mit mehr Grafiken und mehr Management-Jargon. Nützlich dagegen ist die Checkliste zur Selbstprüfung im Anhang („Mache ich es einfach?“). –Sylvia Englert

Einfach managen: Klarheit und Verzicht – der Weg zum Wesentlichen

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